Freitag, 19. August 2016

Hundehaar-Allergie und Bürohund

Wie ihr ja wisst, sind wir bisher mit unserem Menschen-Mann in die Arbeit gegangen. Das war auch immer ein großes Spaß, auch wenn dieses Gerenne jeden Morgen manchmal für Langschläfer-Marlon ein wenig früh war.



ABER: Es gab an der Arbeit immer ganz tolle Menschen, die sich sehr über uns gefreut haben und immer ein Leckerli für uns in der Schreibtischschublade versteckt hatten. Da konnten wir hingehen, wenn uns langweilig war, oder wenn wir mal wieder Appetit auf was Leckeres hatten. :)
Der Menschen-Mann will ja immer, dass wir irgendwas machen für das Zeug. Sitz, Platz, Bleib oder so n Quatsch...
Weil das hier ein kleines Büro ist, kennen wir alle die hier arbeiten gut! Den einen besser und den anderen schlechter. Und natürlich ist es auch so, dass wir manche mehr mögen und andere weniger. Andersherum ist es auch genauso. Da gibt es ein/zwei, die tun sogar so, als gäbe es uns garnicht. Brando hatte die Vermutung, dass die vielleicht Hunde nicht sehen können ... das ist irgendwie gruselig.

Naja, auf jeden Fall ist es jetzt so, dass einer der Menschen hier sagt, dass er irgendwie unsere Haare nicht mag und davon Ausschlag bekommt oder so. Und weil das hier eben ein kleines Büro ist, werden wir in Zukunft keine Bürohunde mehr sein! Marlon hat sofort gejubelt "endlich Ausschlafen!" aber irgendwie haben wir es auch genossen den ganzen Tag mit dem Menschen-Mann zu verbringen. Naja, da die Menschen-Frau jetzt auch in München wohnt sind wir ab sofort den ganzen Tag bei ihr. Mal gucken wie das so wird.
Aber die ganze Sache hat den Menschen-Mann bewogen sich mit dem Thema "Hundehaar-Allergie" zu beschäftigen.
Wir grüßen euch - ab sofort aber von Zuhause auf der Couch!

Marlon&Brando


Was bezeichnet man als Hundehaarallergie?

Mal ganz platt gesagt bezeichnet man mit einer Hundehaarallergie die Überempfindlichkeit gegenüber "Hunden". Sie findet sich beim Menschen allerdings relativ selten.

Dennoch geht man davon aus, dass bis zu 10% der erwachsenen Bevölkerung an einer so oder so gearteten Allergie gegen irgendwelche Teile des Hundes leidet. Hier sind die Aussagen unterschiedlich - je nachdem wen man fragt.
Statistik des BVBH

Definitiv ist aber kein Mensch gegen Hunde im Allgemeinen oder gegen die Haare selber allergisch.
Die allergische Reaktion erfolgt immer gegen spezielle Stoffe, in oder an den Haaren der Hunde. Das können unter anderem Speichel, Hautschuppen oder auch der Urin des Hundes sein.
In den meisten Fällen geht es um ein spezielles Protein - also ein Einweiß - das vom Hund produziert wird.
Nämlich um das sogenannte Protein Can f1 (Die Abkürzung ergibt sich aus dem lateinischen Canis familiaris für Haushund). Das heißt, für eine allergische Reaktion des Menschen müssen lediglich die Haare des Hundes anwesend sein, und nicht der Hund selbst. Diese können auch an Klamotten, Möbelstücken oder anderen Menschen hängen bleiben und so in Kontakt mit der betroffenen Person kommen.
Neben dem Can f1 gibt es auch noch das Protein Can f2, der Job dieses Proteins im Hundekörper ist der Transporrt von Molekülen. In die Umgebung gelangen sie meist, wie gesagt, über Hautschuppen oder den Speichel des Tieres.

Foto, das nichts mit dem Thema zutun hat - aber fröhlich!
In Speichel und Hautschuppen kommt außerdem das sogenannte Hunde-Albumin vor. Dieses zählt zu den wichtigsten Eiweißen im Körper und kann auch für das Auslösen von Allergien verantwortlich sein. Experten gehen davon aus, dass es noch eine Vielzahl anderer Allergene gibt, die noch nicht identifiziert wurden.













Erstes Ergebnis:
Es kann also nicht von einer HundeHAARallergie gesprochen werden. Geprüft werden muss in jedem Fall, gegen was der Mensch genau allergisch ist. Das können nämlich auch Dinge sein, die anderweitig in der Umwelt vorkommen und müssen nicht zwangsläufig mit dem Hund zutun haben.
Das Protein Can f1 kommt dazu bei jedem Hund in einer anderen Konzentration und Menge vor. Das heißt, mit einer Allergie kann ich durchaus zum Hundehalter werden, wenn ich weiß, welche Rassen nicht zur Produktion des Proteins Can f1 neigen.

Foto, das nichts mit dem Thema zutun hat - aber süß!
Das und der Fakt, dass es auch noch andere Allergene gibt, auf die Menschen reagieren können, erklärt, weshalb Hundehaarallergiker auf verschiedene Hunderassen unterschiedlich stark reagieren. Eine Faustregel sagt, dass langhaarige Rassen weniger allergen sind als kurzhaarige Hunde.

Rassen von denen man sich als Allergiker definitiv fern halten sollte, sind zum Beispiel Boxer, bei ihnen ist bekannt, dass Allegien besonders häufig vorkommen. Bei anderen, wie zum Beispiel dem Portugiesischen Wasserhund oder dem Bolanka konnten bisher nur wenige allergischen Reaktionen nachgewiesen werden.




Wie äußert sich aber eine Allergie gegen Can f1oder Can f2?
Es gibt unterschiedliche Allergietypen. Das heißt, es wird unterschieden, wann und wie stark jemand auf einen bestimmten Stoff reagiert. Hundeproteine zählen dabei zu den "gefährlichsten" Typ 1 Allegenen - dem sogenannten Soforttyp.
Das heißt, "sofort" nach dem Kontakt mit dem Hundehaar kommt es zu einer unmittelbaren Reaktion des Körpers.
Im Falle der Allergie auf das Protein ist es jetzt so, dass der Körper dieses verwechselt. Und zwar mit einem Fremdkörper, den er für "gefährlich" einstuft und folgerichtig sofort reagiert. Es werden also Stoffe, vorallem Histamin, zur Abwehr dieses Fremdkörpers ausgestoßen. Diese führen dann letztendlich zur Reaktion des Körpers. Des Ausschlag ist also nichts anderes, als eine Abwehrreaktion des Körpers gegen einen vermeintlich gefährlichen Fremdstoff. Also quasi in unserem Fall ein klassischer Fehlalarm. Doofer Körper!  :(

Foto, das nichts mit dem Thema zutun hat - aber dreckig!
Die Allergie selbst kann bei verschiedenen Menschen auch unterschiedlichste Reaktionen hervorrufen. Das kommt immer darauf an, wo es zu einem Kontakt mit dem Stoff kommt. Bei Hundehaarallergikern können das Beschwerden des Nasen-Rachen-Bereichs sein. Sind die Augen betroffen kann es zu einer Reizung oder einer Entzündung der Bindehaut kommen.

Begleitet werden diese Sympthome meist (und das untercheidet die Hundehaarallergie von anderen) von einem meist juckendem Ausschlag roter Farbe. Bei längerem Kontakt mit dem Protein kann es auch zur Bildung von Quaddeln kommen.

Alle Symptome treten dann besonders stark auf, wenn sich der Betroffende in direktem Kontakt mit einem Hund befindet (selber Halter ist oder regelmäßigen Umgang hat) oder, wenn er, wie in unserem Fall, in einem Raum ist, in dem sich häufig ein Hund aufhält (bspw. an der Arbeit).

Was ist zu tun?

Bei einem Anfangsverdacht sollte man sich direkt an einen Arzt wenden. Nur dieser kann ausschließen, dass es sich möglicherweise um eine Reaktion des Körpers auf einen ganz anderen Stoff handelt. 

Das sollte also als erstes ausgeschlossen werden, indem man klärt, wann, wo und wie stark die Reaktionen zu- oder abnehmen. 
Es können auch Tests durch den Arzt durchgeführt werden. Am beskanntesten ist hier der sogenannt Prick-Test. Hier werden unterschiedliche Stoffe auf die Haut gegeben und die Haut an der Stelle "angestochen" - so kann sehr schnell (meist innerhalb von weniger als 20 Minuten) geprüft werden, ob eine Reaktion stattfindet. 
Darüber hinaus können auch Bluttests durchgeführt werden.
Ist das Ergebnis am Ende positiv (bzw. für euch dann mit negativen Folgen) kann noch immer eine Therapie helfen. Zum Beispiel, wenn man den geliebten Vierbeiner nicht abgeben möchte/kann, oder wenn der Chef im Büro seinen Hund dabei hat. (anders herum funktioniert das im Übrigen nicht) 

Therapie: 

Foto, das nichts mit dem Thema zutun hat - aber geheimnisvoll!
Das Einfachste ist ganz klar - keinen Kontakt mehr zu Hunden. Aber das schließe ich an dieser Stelle einfach mal aus und wir widmen uns den Fällen, an denen ein Umgang so oder so nicht zu vermeiden ist.

Sind die Beschwerden nicht ganz so schlimm, kann es helfen den Kontakt mit dem Allergen zu reduzieren. Das heißt ein bewusster Umgang mit dem Problem. Ausgedehnte Knuddel-Einheiten mit dem Tier entfallen, das Bett und das Sofa sind ab heute absolut tabu und andere Möbelstücke und vorallem TEPPICHE, in denen sich kiloweise Hundehaare sammeln können, werden regelmäßig gesäubert. Hier gibt es auch spezielle Feinstaubsauger oder auch solche mit Wasserfilter.
Auch die Hundepflege selbst (die eventuell jemand anders übernehmen sollte) ist wichtig. Also regelmäiges Kämmen, baden und Scheren (falls notwendig)
Was aber tun, wenn schon der minimalste Kontakt zum Allergen massive Reaktionen hervorruft? Ich gehe mal davon aus, dass niemand seinen Hund rasieren wird - zumal das vermutlich nichts bringen würde. Deshalb ist es auch möglich medikamentös "gegen" die Symptome vorzugehen. 
Hierfür werden meistens sogenannte Antihistaminika eingesetzt. Die machen nichts anderes, als die Wirkung des zuviel produzierten Histamins im Körper zu hemmen. Es gibt sie in Form von Tabletten, Salben, Augentropfen etc.. Problem, was ist, wenn der Körper Histamin braucht, weil er zum Beispiel gegen einen echten Fremdkörper vorgehen muss? Diese Frage bleiben die meisten Infoseiten zum Thema schuldig.

Möchte man nicht den Rest seines Lebens Medikamente schlucken, dann kommt noch eine Hyposensensibilisierungs-Therapie in Frage. Ihr Ziel ist es, den Körper langsam an das Allergen zu gewöhnen und ihm zu "zeigen", dass von diesem keine Gefahr für ihn ausgeht. Bei Katzenhaarallergien hat sich diese Technik bereits bewährt. 

Foto, das nichts mit dem Thema zutun hat - aber summerfeeling!

Hierfür muss das Allergen natürlich zunächst einmal bekannt sein. Es wird dem Patienten dann, erst in sehr geringen Dosen und dann in steigender Konzentration, unter die Haut gespritzt. Diese Form der Therapie kann sich über einen sehr langen Zeitraum erstrecken (Jahre) und ist nicht zwingen zielführend.



Hinweis: Vielen Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Behandlung einer Hundehaarallergie noch nicht, da der Erfolg nicht bewiesen ist. Im Gegenteil, ein Erfolg wird, sollte sich ein Hund im eigenen Haushalt befinden, nahezu ausgeschlossen. 





Hundehaarallergie beim Baby
Um den Bezug zum Thema Kind nicht zu verlieren. Es gibt natürlich auch das Phänomen, dass Mutter und Vater keinerlei Reaktionen wie oben beschrieben haben und ein Neugeborenes plötzlich eine solche Reaktion zeigt. Oder anders herum, ein Kind zweier Allergiker völlig symptomefrei bleibt.

Es ist aber so, dass eine Allergie bei einem oder beiden Elternteilen das Risiko für die Allergie beim Kind deutlich erhöhen.


Die Symptome beim Kind sind die selben, wie beim Erwachsenen. Besonders gefährlich für die Kleinen sind hierbei die Atemenwegsbeschwerden, die oft zu spät erkannt werden, da der kleine Fratz sich ja schlecht äußern kann.
Man sollte also als Hundehalter ein besonderes Auge auf äußere Anzeichen wie eine "rasselnde" Atmung oder auch die Schleimhäute seines Kindes haben.
Wichtig: Geht lieber zweimal zuviel zu Arzt als einmal zuwenig - bei Sorgen oder den ersten Anzeichen beim Kind, solltet ihr auf eine Diagnose des Arztes setzen. Diese sind beim Kind genauso schnell gemacht, wie bei euch.



Und zum Schluss noch ein Funfact: 
Foto, das nichts mit dem Thema zutun hat - aber cuddly!

Auch Tiere können allergische Reaktionen auf Menschen haben. Menschliche Haare und Hautschuppen können (eigentlich logisch) genauso Symptome beim Hund, wie andersherum beim Menschen hervorrufen.

Als Auslöser werden sogenannte Mykoplasmen vermutet. Das sind Bakterien, die nicht von einer Hülle umschlossen sind. Aber wer weiß, vielleicht ist es auch Antipathie.

Frage: Müssen dann die Menschen auch das Haus verlassen? :D